Otto Reiniger (1863 - 1909), Stromschnellen des Rheins bei Laufenburg, 1908
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Otto Reiniger
1863 Stuttgart – 1909 Tachensee bei Korntal,
Deutscher Maler,
Hauptmeister des Schwäbischen Impressionismus
Stromschnellen des Rheins bei Laufenburg, Juli 1908
Öl auf Leinwand auf Karton,
26 x 33 cm, Außenmaß mit Rahmen 32 x 39 cm
Alters- und Beriebsspuren, restauriert
Verso ECHTHEITSBESTÄTIGUNG von Felix Hollenberg und Christian Landenberger
Ein Jahr vor seinem Tod führte Otto Reiniger seine letzte Reise nach Laufenburg an der Schweizer Grenze, um dort die Stromschnellen des Rheins zu malen, Diese wurden im folgenden Jahr gesprengt, um dort ein Kraftwerk zu bauen.
Otto Reiniger (1863 - 1909)
1863 in eine angesehene Stuttgarter Honoratiorenfamilie geboren, fühlte er sich schon früh zum Maler berufen.
1881 tritt er in die Stuttgarter Kunstschule ein, zunächst bei dem Genremaler Grünenwald. Dieser kann ihm aber bald nichts mehr beibringen und verweist ihn an den Landschaftsmaler Albert Kappis. Bereits 1882 wird er für eine Landschaftszeichnung von der Akademie ausgezeichnet, und auch Kappis kann dem jungen Genie nichts mehr bieten. Nach einer Studienreise geht Reiniger 1883 zu dem Maler Josef Wenglein nach München, um sich in der Freiluftmalerei zu vervollkommnen, aber auch dieser sagt nach nur vier Monaten, dass er ihm nichts mehr beibringen kann. Letztendlich muss man Otto Reiniger als genialen Autodidakten betrachten.
Nach mehreren Studienreisen durch Italien kehrt Reiniger 1888 nach Stuttgart zurück und wohnt dort bei seiner Mutter. Er flieht die Stadt und sucht die unberührte Natur, die er im Feuerbacher Tal findet. Bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit zieht es ihn dorthin, um zu malen. Es ist das fließende Wasser, sind die bizarren Büsche und Bäume, die ihn faszinieren und die er bei den unterschiedlichsten Stimmungen festhält. In diesen Bildern erreicht der Impressionismus in seiner spezifisch schwäbischen Ausprägung seinen Höhepunkt. Es geht ihm nicht um den oberflächlichen Schein, er will das Wesen der tief empfundenen heimischen Landschaft ergründen und festhalten. Dabei werden seine malerischen Mittel immer knapper, spontaner und skizzenhafter. Im Atelier entstehen dann auch großformatige Bilder, die für Ausstellungen gedacht sind, die aber immer auch den lockeren Pinselduktus der spontanen Auffassung beibehalten.
Bald stellten sich auch überregionale Erfolge bei Ausstellungsbeteiligungen in Berlin, München und Dresden ein, doch die Resonanz im heimischen Stuttgart blieb verhalten. 1899 lud Max Liebermann ihn persönlich ein, an der Berliner Sezessionsausstellung teilzunehmen. 1904 fand bei Cassierer in Berlin eine Ausstellung der führenden zeitgenössischen Maler statt, für die Hauptwerke von ihm für den Versand schon bereit standen, da löste eine Lampe des Hufschmieds unter seinem Atelier einen Brand aus und vernichtete alle im Atelier befindlichen Werke. König Wilhelm II von Württemberg ließ ihm darauf ein Atelier im Stuttgarter Alten Schloss einrichten. 1905 konnte Otto Reiniger dann das Gut Tachensee bei Korntal erwerben und sich einen Lebenstraum erfüllen, direkt in der Natur zu leben und zu arbeiten. Es waren ihm aber nur noch vier Jahre dort vergönnt. Schon immer von schlechter Gesundheit und durch das stundenlange Malen bei jedem Wetter im Freien angegriffen, starb er dort 1909 im Alter von nur 46 Jahren. Obwohl er nie eine Professur innehatte, wirkten seine Bilder prägend auf den Schwäbischen Impressionismus, und er gilt zusammen mit seinem Malerfreund Hermann Pleuer als dessen Hauptmeister.
Lit.: Ingobert Schmid, Der Landschaftsmaler Otto Reiniger, Stuttgart, 1982
Thomas Maier, Bernd Müllerschön, Die Schwäbische Malerei um 1900, Stuttgart 2000